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„Die digitale Welt ist von der analogen Welt nicht mehr zu trennen“

Mit dem eco Kongress versammelt eco die Internetwirtschaft zum Branchentreffen in Köln. Die innovativsten Unternehmen werden dabei mit dem eco Award ausgezeichnet. Über allem steht die Frage: „Welche digitale Zukunft wollen wir eigentlich?“ eco Hauptgeschäftsführer Harald A. Summa gibt im Interview einen Einblick, wie sich der Kongress mit der digitalen Transformation und dem aktuellen Stand der Dinge auseinandersetzt.

Die digitale Transformation ist in vollem Gang. Technologien wie Cloud Computing, IoT, Blockchain und künstliche Intelligenz verändern nicht nur die Internetwirtschaft, sondern die gesamte Wirtschaft. Wie steht es dabei um den Standort Deutschland?

Zunächst einmal: Ja, die von Ihnen genannten Themen verändern die Wirtschaft. Aber die Folgen der digitalen Transformation gehen noch deutlich weiter. Wir reden hier längst nicht mehr über ein Nischenthema. Auch die Bezeichnung Schlüsselbranche reicht nicht mehr aus, um die Internetwirtschaft ausreichend zu beschreiben. Denn die digitale Welt ist von der analogen Welt nicht mehr zu trennen. Dabei ist es immer öfter so, dass die digitale Welt die analoge prägt – und nicht umgekehrt. Was dazu führt, dass die Internetwirtschaft immer mehr Verantwortung trägt.

Was Ihre Frage nach dem Digitalstandort Deutschland angeht: Auch da müssen wir den Blick öffnen. Unsere digitale Zukunft können wir nur gestalten, wenn wir Techniker, die Zivilgesellschaft, Unternehmer, Politiker und Visionäre aus möglichst vielen anderen Disziplinen miteinander ins Gespräch bringen. Genau dafür ist der eco Kongress da.

Was erwartet die Teilnehmer an dem Kongress?

Wir haben ein vielfältiges Programm zusammengestellt und gehen ebenso in die Breite wie in die Tiefe. Auf dem Kongress werden sich darum viele Experten treffen, die vielleicht nicht immer bis ins Detail verstehen, woran die anderen Experten eigentlich arbeiten. Aber im Kern geht es dabei doch immer um die gleiche Frage. Die verstehen alle und die geht auch alle etwas an: Welche digitale Zukunft wollen wir eigentlich?

Wir möchten aber nicht nur über das Künftige diskutieren, sondern auch feiern, was wir bisher erreicht haben. Im täglichen Business schauen wir meistens nach vorn und vergessen darüber schnell, auch mal innezuhalten und auf das Erreichte stolz zu sein. Deswegen vergeben wir während des Kongresses auch wieder unsere Internet Awards.

Die Awards vergeben wir bereits zum 17. Mal und über die Jahre haben wir gelernt: So eine Auszeichnung macht sich nicht nur gut im Regal, sie macht auch Mut, die Zukunft anzupacken, und dieser Mut strahlt, wenn es gut läuft, auch über die eigenen Branchengrenzen hinaus.

Wofür werden die Awards vergeben?

Sieben Preise, sieben Kategorien: ISPs/Interconnection, Data-Center-Infrastruktur, Hosting, Security, Domains, Cloud und als Sonderpreis Innovation/digitale Geschäftsmodelle. In allen Kategorien suchen wir Unternehmen oder Lösungen, die herausragen. Sei es durch Qualität, Kundenfreundlichkeit, einen besonderen USP oder – mein persönlicher Favorit – Innovation.

Warum lachen Sie?

Weil wir in allen sieben Kategorien ausnahmslos Unternehmen sehen werden, die ganz vorn an der Entwicklung unserer digitalen Zukunft mitwirken. Innovativ sind die alle. Ich bin mal gespannt, wie die Jury – übrigens allesamt führende und selbstverständlich unabhängige Köpfe aus Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung und Politik – diese Aufgabe knackt!

Wie innovationsfähig ein Standort ist, hängt auch immer mit den Rahmenbedingungen zusammen. Wie beurteilen Sie die wirtschaftlichen und politischen Bedingungen in Deutschland?

Wir sprachen vorhin von Verantwortung. Die Internetwirtschaft trägt schon heute viel Verantwortung, für die Gesamtwirtschaft, die Gesellschaft, letztlich für das gesamte Ökosystem. Diese Verantwortung wird weiter zunehmen. Nie war der Wandel so schnell wie heute, wird oft gesagt. Das stimmt wohl, ist aber nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte lautet: Nie wieder wird der Wandel so langsam sein wie heute.

Unsere Rahmenbedingungen spiegeln das noch nicht wider. Die werden eher davon bestimmt, was gestern war und nicht davon, was morgen sein wird. Damit meine ich gar nicht mal so sehr den Wirtschaftsstandort Deutschland. Ich meine unsere Köpfe. Eine gute Standortpolitik müsste genau da ansetzen. Eine gute Digitalpolitik würde die Menschen dabei unterstützen, die Kompetenzen zu erwerben, mit denen wir unsere digitale Zukunft zu einer guten Zukunft machen. Und dazu zähle ich ganz besonders die Zuversicht. Dass wir es selbst in der Hand haben. Dass es gut wird.